Archiv für Mai 2011

Bombardierung Frankfurts / Freie Wähler

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Am 22. März jährt sich der Tag der Bombardierung Frankfurts zum 67. Mal. 1944 zerstörten etwa 1000 Bomber der Alliierten fast vollständig die Innen- und Altstadt Frankfurts.
Frankfurt gedenkt dessen nun auf Initiative der rechtspopulistischen Partei „Freie Wähler“ anlässlich des sog. „schwärzesten Tags der Stadtgeschichte“. Letztes Jahr fanden neben einer Gedenkveranstaltung ein ökumenischer „Friedens-Gottesdienst“ und ein gemeinsames Trauerläuten der Kirchen in der Innenstadt statt.
Würde es sich hierbei lediglich um individuelle Trauer der Angehörigen handeln und würde trotzdem der Kontext der militärischen Notwendigkeit der alliierten Bomber mitgedacht, wäre dies auch durchaus legitim.
Das Problem ist aber, dass diese öffentlich und politisch inszenierte Trauer mit Begriffen wie „alliierter Bombenterror“ und ähnlichen Diffamierungen der Angriffe „Kriegsverbrechen“ seitens der Alliierten unterstellt, womit die alleinige Kriegsschuld Deutschlands relativiert und stattdessen einer nationale Opferidentität konstruiert wird.
Ebenso wird in dieser revisionistischen Geschichtsinterpretation die Singularität des Nationalsozialismus und die der deutschen Verbrechen ausgeblendet, indem nun von Opfern eines allgemein europäischen „Jahrhunderts der Grausamkeiten“ ausgegangen wird. Dabei hätte die Bombardierung Frankfurts und die anderer Großstädte wie Dresden nicht stattgefunden, wenn die deutsche Volksgemeinschaft sich nicht hartnäckig einer Kapitulation verweigert hätte, obwohl die Niederlage Deutschlands schon 1944 absehbar war. Wir sehen die Bombardierung als notwendige Vorbereitung zum Sieg über Nazideutschland, das einen Vernichtungskrieg zu verantworten hat, an dessen Ende über 50 Millionen Tote standen. In diesem Sinne bedanken wir uns bei den alliierten Streitkräften, die die bedingungslose Kapitulation am 8. Mai 1945 mit aller Konsequenz durchsetzen.

Wer ist denn hier noch links ?

Genau diese Frage sollte man sich stellen, wenn man sich mit der Person Oscar Lafontaine, dem Vorsitzenden der Partei „Die Linke“ auseinandersetzt. Wenn er die „radikale Linke“ als Pseudo-Linke und Spalter_Innen* bezeichnet und selbst von der NPD in höchsten Tönen gelobt wird.
Beispiele dafür, dass man die Politik von Oscar Lafontaine nicht als selbstbestimmt und emanzipatorisch, sodern als rassistisch, nationalistisch und antisemitisch bezeichnen kann, hat er uns in der Vergangenheit genug gegeben. Zum Beispiel begrüßt er die Idee, Internierungslager für Flüchtlinge in Nordafrika einzurichten, da man in Deutschland und Europa ja nicht genug Platz und Arbeit für Flüchtlinge hat. Weiterhin ist er davon überzeugt, dass der Staat dazu verpflichtet ist, zu verhindern, dass „Familienväter und -frauen arbeitslos werden, weil Fremdarbeiter mit zu niedrigen Löhnen ihnen die Arbeitsplätze wegnehmen“. Dass der Begriff „Fremdarbeiter“ aus der Zeit des Nationalsozialismus stammt, scheint ihn dabei nicht weiter zu stören.
Er ist der Meinung, dass man „die Zuwanderung und den Zugang zu unserem Sozialsystem bergrenzen“ und „einheimischen“ Bürgern den Vorrang vor Bürger_Innen mit Migrationshintergrund gerantieren müsse, da sich erstere ja „an der Finanzierung der Gemeinschaft beteiligen.“
Menschenverachtend ist auch die Tatsache, dass Lafontaine im Fall der Folter am Mörder und Entführer des Bankiersohns Jakob von Metzler, den Polizeibeamten Daschner in Schutz nimmt und zudem sein Handeln auch noch begrüßt.
Wenn sich also schon die Nazi Partei „NPD“ eine Zusammenarbeit mit Lafontaine und der Linkspartei vorstellen kann und diesem Solidarität ausspricht, wenn er von der „Eindämmung des Agressionsstaates Israel“ spricht, ist man quasi dazu gezwungen, ihn als reaktionär wahrzunehmen.

* Mit dem „_“, dem Unterstrich versuchen wir diejenigen sichtbar zu machen, die sich in den Kategorien Mann oder Frau nicht wiederfinden können.
Mehr dazu in „Performing the Gap- Queere Gestalten und geschlechtliche Aneignung“ von s_he in der arranca.
Nr. 28 auf http://arranca.nadir.org